Monthly Archives

Juni 2016

Tipps vom Profi: wie Glas richtig fotografiert wird

glas richtig produktfotografie glas glaeser transparente flaechen fotostudio 1

In der Produktfotografie müssen häufig gefüllte oder leere Gläser fotografiert werden. Auf Werbeplakaten sind zum Beispiel schräg gekippte Weingläser mit Rotwein zu sehen oder wunderbar gemixte Cocktails mit ihren bunten Zutaten. Andererseits gibt es auch Produktfotos, in denen Gläserserien verkauft werden sollen. Diese sollten demnach nicht mit einer Flüssigkeit gefüllt sein.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass Gläser durchsichtig sind und Licht nicht immer wie gewünscht reflektieren. Dies stellt eine besondere Herausforderung an den Fotografen.

Das Reflexionslicht des Glases nutzen

Ein leeres Weinglas erzeugt ein sichtbares Reflexionslicht, wenn es angestrahlt wird. Zu diesem Zweck wird es auf eine Hohlkehle gestellt und von oben angestrahlt. Der Hintergrund wird zunächst grau dargestellt.

Im Ergebnis präsentiert sich das Glas mit seinen Konturen, wobei im Bereich des verstärkten Fußes eine helle Reflexion erkennbar wird. Man spricht in diesem Fall auch von einem Lupeneffekt. Dennoch ist der obere Glaskörper wenig spektakulär und sieht eher langweilig und eintönig aus. Auf einem solchen Bild ist das Glas gerade noch als solches zu erkennen.

Was bedeutet ein gesteuertes Reflexlicht?

Mit einem zusätzlichen Flächenlicht und einer gleichmäßig ausgeleuchteten Plexiglasplatte können wir auf der Glasoberfläche eine helle Reflexion erzeugen. In diesem Fall wird die Plexiglasscheibe links oder rechts des Glases in unmittelbarer Nähe aufgebaut. Die Reflexion erscheint dann auf einer Außenseite des Glases und auf der gegenüberliegenden Innenseite.

Notfalls gelingt dieser Effekt auch mit einem kleinen Seitenstrahler. Vor diesen wird eine Lage Transparentpapier, notfalls auch Butterbrotpapier gespannt und möglichst nahe an das Glas herangebracht. Auf diese Weise wird ebenfalls ein Flächenlicht erzeugt, welches auf der Glasoberfläche und im Inneren für eine Reflexion sorgt.

Wichtig sind auch die Lichtkanten

Nachdem das Glas durch die gesteuerte Reflexion insgesamt deutlich heller geworden ist und eine schöne Kontrastreflexion aufweist, fehlen noch die Lichtkanten. Hierbei soll die Umrahmung des Glases in einem besonders hellen Lichtstreifen erscheinen.

Am einfachsten ist es, sich Spiegelfolie zu besorgen und diese auf schmale Pappstreifen zu kleben. Spiegelfolie oder Spiegelpappe gibt es schon preisgünstig im Fachhandel oder in den Bastelgeschäften. Mit einem kleinen Aufsteller werden diese Minispiegel rechts und links neben das Glas gestellt.

Die Spiegel werden von seitlichen Strahlern beleuchtet und leiten dieses Licht an die Glasoberfläche weiter. Dabei müssen die Spiegel so verstellt werden, dass das Licht sich genau in den seitlichen Glaskanten wiederspiegelt. Verständlicherweise nimmt die Feineinstellung die meiste Zeit ein. Das beste Ergebnis gelingt nur durch ständiges Versuchen.

Im Ergebnis wird das Glas so dargestellt, dass sich auf der bauchigen Vorderseite und in der gegenüberliegenden Innenseite des Glases eine breite Lichtreflexion befindet. Darüber hinaus sind auch die Ränder des Glases deutlich erkennbar und erstrahlen in einem hellen Lichtstreifen.

Die vorgenannten Beleuchtungstechniken funktionieren übrigens auch mit gefüllten Gläsern.

Diese Fotografien von leeren oder gefüllten Gläsern können in der Produktfotografie vielfältig eingesetzt werden. Dank der guten Lichtkanten, kann ein solches Glas auch vom Hintergrund freigestellt werden. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass der durchscheinende Hintergrund des Glases später nach einer Bildbearbeitung farblich angepasst wird.

Wem diese Bildbearbeitung Schwierigkeiten bereitet, kann sich durchaus auch an einen Freistellservice, wie zum Beispiel freistellen.de wenden.

Tethered Shooting per USB oder WiFi durchführen

Foto Linse realistisch tethered shooting

Beim Tethered Shooting geht es um die sogenannte kabelgebundene Fotografie. Während der analogen Fotografie war die Kamera lediglich über das Synchro-Kabel mit dem Blitzlicht verbunden. Heute sieht dies jedoch ganz anders aus. Moderne Digitalkameras besitzen eine Vielzahl von Schnittstellen, die sich der Fotograf zunutze machen kann.

Insbesondere bei der Produktfotografie kann Tethered Shooting Vorteile bieten. Dabei wird diese Technik leider noch viel zu selten angewendet.

Was bedeutet Tethered Shooting?

Wörtlich übersetzt bedeutet Tethered Shooting ein kabelgebundenes Fotografieren. Hierbei wird eine moderne Digitalkamera mit einem separaten Steuergerät über USB oder WiFi verbunden. Damit lassen sich alle wichtigen Kamerafunktionen aus der Ferne steuern.

Diese Geräte können auch ein Computer mit Monitor, ein Tablet oder ein Smartphone sein. Mit dieser Technik kann direkt vom Computer aus die Digitalkamera bedient werden. Interessant ist, dass hierfür die Kamera noch nicht einmal mehr eine Speicherkarte benötigt, da die Bilder direkt auf die Festplatte des Rechners übertragen werden.

Was wird für Tethered Shooting benötigt?

Wichtigste Voraussetzung ist eine Kamera, die eine entsprechende Fernsteuerfunktion anbietet. Dabei kann ein separater Micro-USB-Anschluss ebenso hilfreich sein, wie eine einschaltbare WiFi-Konnektivität.

Der entfernt stehende Computer sollte diesbezüglich ebenfalls über ein WiFi-Modul verfügen bzw. über ein ausreichend langes USB-Kabel mit der Kamera verbunden sein.

In der Bedienungsanleitung dieser Kameras sollten auch die Fernsteuerfunktionen erläutert sein.

Wichtig ist eine geeignete Software, mit der die Kamera bedient werden kann und mit der auch die geschossenen Fotos betrachtet werden können. Sehr beliebt ist das kommerzielle Programm Camera Control Pro 2. Einige Kamerahersteller liefern aber auch Light-Versionen zum Testen, die im Lieferumfang enthalten sind.

Da die Kamera von weiter entfernt bedient wird, sollte schließlich noch ein Stativ verwendet werden. Danach kann es losgehen.

Tethered Shooting in der Praxis

In einem Test soll ein transparenter Kunststoffbeutel mit vier Kosmetikfläschchen im Inneren auf weißem Hintergrund fotografiert werden. Es ist nicht ganz so einfach, transparente Gegenstände auf weiß zu fotografieren.

Beim Freistellen dieser Produkte ergeben die transparenten Bereiche einen leicht plastiklastigen gräulichen Ton, der eher störend wirkt. Ziel ist es, das Hintergrundlicht so mit dem Produkt abzustimmen, dass die Umrandungen des Beutels gut zu erkennen sind und der durchscheinende Hintergrund keinen störenden Farbton erhält.

Mithilfe des Tethered Shootings kann das Produktfoto direkt auf einen PC mit großem Bildschirm übertragen werden. Hier können die Weißtöne mithilfe einer Bildbearbeitung besonders feinfühlig abgestimmt werden, so dass ein Ausfressen der Farbe Weiß in den transparenten Bereichen des Beutels vermieden wird.

Dank der verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten der Tethered-Software kann der Fotograf nun eine Bildergalerie erstellen und sich die verschiedenen Ergebnisse auf dem Monitor sofort ansehen.

Für viele wird es etwas ungewöhnlich sein, wenn das LiveView-Bild nicht mehr auf dem Kameradisplay erscheint, sondern auf dem heimischen TFT-Monitor. Hier wird auch das Hineinzoomen wesentlich präziser, da die Schärfenbereiche sofort erkannt werden.

Mithilfe einer Funkmaus kann über den Computer die Kamera besonders einfach ferngesteuert werden.

Ein Ratschlag

Wer im Heimstudio Produktfotos von einem Stativ aus erstellen möchte, der sollte beim Kauf einer neuen Kamera darauf achten, dass Tethered Shooting unterstützt wird. Die neuen Möglichkeiten einer ferngesteuerten Kamera kommen in der Produktfotografie besonders gut zum Tragen.