Der Weißabgleich bei Nachtaufnahmen
Von Kevin, FotografVeröffentlicht Aktualisiert 5 Min. Lesezeit
Bei Nachtaufnahmen ist der automatische Weißabgleich die falsche Wahl: Sobald mehrere künstliche Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbtemperatur im Bild stehen, verschiebt die Automatik die Farben. Stellen Sie den Abgleich vor der Aufnahme manuell ein, mit einem weißen Blatt oder einem Fotokarton mit 18-prozentiger Grautönung im Licht des Motivs.
Kühl wirkt das Ergebnis bei einem niedrigen Wert um etwa 3.000 Kelvin, warm bei 6.000 bis 8.000 Kelvin.
Den Weißabgleich richtig korrigieren
Besonders eindrucksvoll sind Nachtaufnahmen mit angestrahlten Motiven. Hier gibt es zahlreiche reizvolle Fotomotive, wie zum Beispiel Kirchen, eine bunt beleuchtete Reklametafel, Brücken, angestrahlte Denkmäler, aber auch Portraitaufnahmen. Selbst ein Wald im Mondlicht stellt ein tolles Motiv dar. Fotografen sollten jedoch nicht einfach mit ihrer Kamera im Dunkeln losknipsen, sondern sich zuvor mit den Einstellungen vertraut machen.
Besonders schöne Nachtaufnahmen gelingen in aller Regel erst dann, wenn auch der Weißabgleich an der Kamera richtig eingestellt wurde. Viele Kameras sind mit einer Automatik ausgestattet, die versucht, den Weißabgleich so gut wie möglich einzustellen. Tauchen im Bildmotiv nach Sonnenuntergang jedoch mehrere künstliche Lichtquellen auf, schafft die Kameraautomatik diese Aufgabe nicht mehr.
Viele Fotografen setzen auf den RAW-Modus, um den Weißabgleich und die Farbtemperatur mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachträglich zu verändern. Viele Anwender sind aber in der Bedienung dieser Software nicht so bewandert, dass hieraus ein sauberes Ergebnis erzielt wird. Insoweit ist es wesentlich besser, die Kamera manuell vor der Aufnahme einzustellen.
| Weg | Was passiert | Zu beachten |
|---|---|---|
| Automatischer Weißabgleich | Die Kamera versucht, helle Flächen als Weiß darzustellen, und richtet die übrigen Farben danach aus | Schafft es nicht mehr, wenn nach Sonnenuntergang mehrere künstliche Lichtquellen im Motiv auftauchen |
| RAW-Modus und nachträgliche Korrektur | Weißabgleich und Farbtemperatur werden im Bildbearbeitungsprogramm verändert | Viele Anwender sind in der Software nicht so bewandert, dass ein sauberes Ergebnis entsteht |
| Manueller Weißabgleich vor der Aufnahme | Ein weißes Blatt oder eine Graukarte, im Licht des Motivs fotografiert, dient als Referenz | Bei veränderter Lichtsituation erneut einstellen |
Mit der Kelvin-Einstellung steuern Sie kühle und warme Farbtöne
Für jedes Motiv und jede Situation gibt es andere Einstellungen. Beispielsweise können Fotografen mit verschiedenen Farbtemperaturen unterschiedliche Fotoeffekte hervorrufen. Wer in seinem Foto kühlere Farbtöne hervortreten lassen möchte, der sollte einen niedrigen Wert um etwa 3.000 Kelvin bevorzugen. Sollen dagegen wärmere Farbtemperaturen dargestellt werden, werden schon 6.000 bis 8.000 Kelvin benötigt. Hobbyfotografen sollten bei Nachtaufnahmen ruhig mit den unterschiedlichsten Werten experimentieren und sich vom jeweiligen Ergebnis überraschen lassen. Hiervon kann man nur lernen.
Der Weißabgleich gibt vor, welche Farbe als reines Weiß oder besser noch als 18%iges neutrales Grau dargestellt wird. Die Kamera versucht, sich an die Farbtemperatur des Lichtes anzupassen. Wie zuvor dargestellt, wird zwischen kaltem und warmem Licht unterschieden. Leuchtstoffröhren geben ein Licht von etwa 4.000 Kelvin ab, Glühbirnen dagegen nur 3.200 Kelvin. Im Schatten erreicht man zirka 7.000 Kelvin. Eine Kelvin-Tabelle für Studiolicht und Graukarte steht im Ratgeber Weißabgleich an der Kamera.
Bei einem automatischen Weißabgleich versucht die Kamera, helle Flächen als Weiß darzustellen und richtet gleichzeitig alle übrigen Farben danach aus. Leider kann es hierbei häufig zu Farbverfälschungen kommen.
| Lichtsituation | Farbtemperatur laut Beitrag |
|---|---|
| Glühbirne | 3.200 Kelvin |
| Leuchtstoffröhre | etwa 4.000 Kelvin |
| Schatten | zirka 7.000 Kelvin |
| Kameraeinstellung für kühlere Farbtöne | niedriger Wert um etwa 3.000 Kelvin |
| Kameraeinstellung für wärmere Farbtöne | 6.000 bis 8.000 Kelvin |
Im Studio gibt es kein Mischlicht, bei Nacht schon
Wir arbeiten im Studio mit nur einer Lichtart: Deckenlicht aus, Fenster zu, nur die Studioleuchten an. Dann gibt es kein Mischlicht, das ausgeglichen werden müsste. Draußen bei Nacht steht diese Möglichkeit nicht offen, und genau deshalb lohnt dort der manuelle Abgleich. Wie sich das Licht in der Dämmerung verändert, beschreibt der Ratgeber zur goldenen und blauen Stunde.
Der manuelle Weißabgleich
Ein weißes Blatt oder eine Graukarte, im Licht des Motivs fotografiert, dient der Kamera als Referenz für den Weißabgleich; ändert sich das Licht, wird der Abgleich wiederholt. So bleiben Farben wie ein gelbes Etikett im Bild so, wie sie sind.
Wir legen die Graukarte in die erste Aufnahme jeder Serie und übertragen die Korrektur anschließend auf alle Bilder desselben Aufbaus. Sitzt eine Farbe kritisch, etwa ein Etikett oder ein Stoffton, kommt zusätzlich eine Farbkarte ins Bild; am Grau allein ist nicht zu erkennen, ob ein Rot nach Orange läuft. Was sonst zu einem fertigen Bildsatz gehört, steht bei den Preisen pro Bild.

Schritt 1: Kamera mit manuellem Weißabgleich
Wichtigste Voraussetzung ist, dass die verwendete Kamera einen manuellen Weißabgleich zulässt. Viele Einsteigerkameras verfügen bereits über diesen Modus.
Schritt 2: Weißes Blatt oder Graukarte
Um diese Einstellungen vorzunehmen, wird entweder ein weißes Blatt Papier oder noch besser ein Fotokarton mit 18%iger Grautönung benötigt.
Schritt 3: Im Licht des Motivs fotografieren
Nun wird das Blatt Papier oder die Graukarte genau mit dem Licht fotografiert, welches später auch das zu fotografierende Motiv haben soll.
Schritt 4: Als Referenz einstellen
Dabei wird die Fotokarte als Referenz für den Weißabgleich der Kamera verwendet. Die genauen Einstellungen sind von Kamera zu Kamera unterschiedlich und werden ausführlich im jeweiligen Benutzerhandbuch erläutert. Wichtig ist, dass das Blatt Papier oder die Graukarte hinterher als reines Weiß zu erkennen ist.
Schritt 5: Bei neuem Licht wiederholen
Zu bedenken ist jedoch, dass bei einer veränderten Lichtsituation gegebenenfalls ein erneuter manueller Weißabgleich vorgenommen werden muss.
Weitere Besonderheiten für eindrucksvolle Nachtaufnahmen
Neben dem Weißabgleich muss Lichtempfindlichkeit, also der ISO-Wert, korrekt eingestellt werden. Ein zu hoher ISO-Wert führt schnell zu Bildrauschen. Am besten ist ein niedriger ISO-Wert, wobei hierbei jedoch die Verschlusszeit steigt und ein Stativ zur Pflicht wird. Mit einer optionalen Taschenlampe können bei langer Verschlusszeit besondere Bildbereiche optisch aufgehellt werden.
Der korrekte Weißabgleich über eine professionelle Bildnachbearbeitung
Wer mit seinem Ergebnis trotz manueller Einstellung des Weißabgleichs immer noch nicht zufrieden ist, der kann sich auch an einen spezialisierten digitalen Nachbearbeitungsservice wenden. Gerade in der Produktfotografie werden die zu fotografierenden Artikel gerne vor einem beeindruckenden Hintergrund präsentiert. Soll hier zum Beispiel eine tolle Nachtaufnahme als Hintergrund eingesetzt werden, kann über einen Freistellservice, wie zum Beispiel www.freistellen.de, das Motiv vom alten Hintergrund gelöst und in den neuen Hintergrund eingepasst werden. Dies sorgt auf alle Fälle für einen beeindruckenden Effekt.

Wer mit dem Weißabgleich nicht zufrieden ist, kann die Bearbeitung abgeben: Bei der Bildmontage aus mehreren Aufnahmen wird das Motiv freigestellt und in einen neuen Hintergrund eingepasst, etwa in eine Nachtaufnahme.

Bilder zum Beitrag
Kurz gefasst
Nachtaufnahmen gelingen erst mit richtig eingestelltem Weißabgleich; bei mehreren künstlichen Lichtquellen versagt die Automatik. Der manuelle Weißabgleich nutzt ein weißes Blatt oder eine Graukarte, die im Licht des Motivs fotografiert wird, und muss bei neuem Licht wiederholt werden. Niedrige Farbtemperaturen wirken kühl, hohe warm; ein niedriger ISO-Wert vermeidet Rauschen und macht ein Stativ zur Pflicht. Wer unzufrieden bleibt, kann das Motiv freistellen und per Bildbearbeitung in eine Nachtaufnahme als Hintergrund einpassen lassen.
Häufige Fragen
Fragen und Antworten
Antworten auf die Fragen, die Händler und Hersteller uns am häufigsten stellen.
Welchen Weißabgleich sollte ich bei Nachtaufnahmen einstellen?
Einen manuellen Weißabgleich, weil die Kameraautomatik bei mehreren künstlichen Lichtquellen nach Sonnenuntergang an ihre Grenzen kommt. Für jedes Motiv und jede Situation gibt es andere Einstellungen: Kühlere Farbtöne entstehen bei einem niedrigen Wert um etwa 3.000 Kelvin, wärmere bei 6.000 bis 8.000 Kelvin. Experimentieren Sie mit verschiedenen Werten und vergleichen Sie die Ergebnisse.
Wie stelle ich den Weißabgleich manuell ein?
Mit einem weißen Blatt Papier oder besser einem Fotokarton mit 18-prozentiger Grautönung, den Sie genau in dem Licht fotografieren, das später auch das Motiv haben soll. Die Kamera nutzt diese Aufnahme als Referenz; die genauen Schritte stehen im Benutzerhandbuch. Hinterher muss das Blatt im Bild rein weiß erscheinen. Ändert sich das Licht, wiederholen Sie den Abgleich.
Was bedeutet Farbtemperatur in Kelvin?
Die Farbtemperatur beschreibt, ob Licht kalt oder warm wirkt, und wird in Kelvin angegeben. Glühbirnen liefern laut Beitrag 3.200 Kelvin, Leuchtstoffröhren etwa 4.000 Kelvin, im Schatten sind es zirka 7.000 Kelvin. Der Weißabgleich legt fest, welche Farbe die Kamera als Weiß oder als neutrales Grau darstellt, und richtet alle übrigen Farben danach aus.
Warum liefert der automatische Weißabgleich bei Nacht falsche Farben?
Weil die Automatik versucht, helle Flächen als Weiß darzustellen und alle übrigen Farben danach auszurichten. Tauchen nach Sonnenuntergang mehrere künstliche Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbtemperatur im Motiv auf, schafft sie diese Aufgabe nicht mehr, und es kommt zu Farbverfälschungen. Ein manueller Abgleich vor der Aufnahme vermeidet das.
Kann ich den Weißabgleich nachträglich im RAW-Format korrigieren?
Ja, im RAW-Modus lassen sich Weißabgleich und Farbtemperatur mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachträglich verändern; viele Fotografen setzen darauf. Viele Anwender sind in der Bedienung dieser Software aber nicht so bewandert, dass daraus ein sauberes Ergebnis wird. Deshalb ist es wesentlich besser, die Kamera schon vor der Aufnahme manuell einzustellen, statt sich auf die Nachbearbeitung zu verlassen.
Welche ISO-Einstellung eignet sich für Nachtaufnahmen?
Ein niedriger ISO-Wert, weil ein zu hoher Wert schnell zu Bildrauschen führt. Mit niedrigem ISO steigt allerdings die Verschlusszeit, sodass ein Stativ zur Pflicht wird. Bei langer Verschlusszeit lassen sich besondere Bildbereiche mit einer Taschenlampe optisch aufhellen. Stellen Sie neben ISO und Verschlusszeit auch den Weißabgleich manuell ein, bevor Sie im Dunkeln fotografieren.
Wie kommt eine Nachtaufnahme als Hintergrund in ein Produktfoto?
Über eine Bildnachbearbeitung: Ein Freistellservice löst das Produkt vom alten Hintergrund und passt es in die Nachtaufnahme ein. In der Produktfotografie werden Artikel gern vor einem beeindruckenden Hintergrund präsentiert; die Montage sorgt für diesen Effekt, wenn das eigene Ergebnis trotz manuellem Weißabgleich nicht überzeugt.
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