Tipps vom Profi: wie Glas richtig fotografiert wird
Von Kevin, FotografVeröffentlicht Aktualisiert 4 Min. Lesezeit
In der Produktfotografie braucht Glas kein stärkeres Licht, sondern Kanten. Sichtbar wird ein Glas erst, wenn hinter ihm eine gleichmäßig ausgeleuchtete Fläche steht und seine Ränder von der Seite Licht bekommen; der Aufbau läuft dafür in drei Stufen. Für Gläserserien, die verkauft werden sollen, bleibt das Glas leer, für Werbemotive darf es gefüllt sein.
Warum Glas ohne gesetztes Licht formlos bleibt
In der Produktfotografie müssen häufig gefüllte oder leere Gläser fotografiert werden. Auf Werbeplakaten sind zum Beispiel schräg gekippte Weingläser mit Rotwein zu sehen oder wunderbar gemixte Cocktails mit ihren bunten Zutaten. Andererseits gibt es auch Produktfotos , in denen Gläserserien verkauft werden sollen. Diese sollten demnach nicht mit einer Flüssigkeit gefüllt sein.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass Gläser durchsichtig sind und Licht nicht immer wie gewünscht reflektieren. Dies stellt eine besondere Herausforderung an den Fotografen.
Das Reflexionslicht des Glases nutzen
Ein leeres Weinglas erzeugt ein sichtbares Reflexionslicht, wenn es angestrahlt wird. Zu diesem Zweck wird es auf eine Hohlkehle gestellt und von oben angestrahlt. Der Hintergrund wird zunächst grau dargestellt.
Im Ergebnis präsentiert sich das Glas mit seinen Konturen, wobei im Bereich des verstärkten Fußes eine helle Reflexion erkennbar wird. Man spricht in diesem Fall auch von einem Lupeneffekt. Dennoch ist der obere Glaskörper wenig spektakulär und sieht eher langweilig und eintönig aus. Auf einem solchen Bild ist das Glas gerade noch als solches zu erkennen.
Wir stellen Glas vor eine hinterleuchtete Fläche und begrenzen die Form mit zwei schwarzen Karten links und rechts, sonst verschwindet die Kante im Weiß. Diese beiden Karten sind der ganze Unterschied zwischen einem Glas, das man sieht, und einem hellen Fleck. Wie der Bildsatz zu einem Artikel zusammengestellt wird, steht auf der Seite Preise für Produktfotos.

Was bedeutet ein gesteuertes Reflexlicht?
Mit einem zusätzlichen Flächenlicht und einer gleichmäßig ausgeleuchteten Plexiglasplatte können wir auf der Glasoberfläche eine helle Reflexion erzeugen. In diesem Fall wird die Plexiglasscheibe links oder rechts des Glases in unmittelbarer Nähe aufgebaut. Die Reflexion erscheint dann auf einer Außenseite des Glases und auf der gegenüberliegenden Innenseite.
Notfalls gelingt dieser Effekt auch mit einem kleinen Seitenstrahler. Vor diesen wird eine Lage Transparentpapier, notfalls auch Butterbrotpapier gespannt und möglichst nahe an das Glas herangebracht. Auf diese Weise wird ebenfalls ein Flächenlicht erzeugt, welches auf der Glasoberfläche und im Inneren für eine Reflexion sorgt.

Wichtig sind auch die Lichtkanten
Nachdem das Glas durch die gesteuerte Reflexion insgesamt deutlich heller geworden ist und eine schöne Kontrastreflexion aufweist, fehlen noch die Lichtkanten. Hierbei soll die Umrahmung des Glases in einem besonders hellen Lichtstreifen erscheinen.
Im Ergebnis wird das Glas so dargestellt, dass sich auf der bauchigen Vorderseite und in der gegenüberliegenden Innenseite des Glases eine breite Lichtreflexion befindet. Darüber hinaus sind auch die Ränder des Glases deutlich erkennbar und erstrahlen in einem hellen Lichtstreifen.
Die vorgenannten Beleuchtungstechniken funktionieren übrigens auch mit gefüllten Gläsern.
Diese Fotografien von leeren oder gefüllten Gläsern können in der Produktfotografie vielfältig eingesetzt werden. Dank der guten Lichtkanten, kann ein solches Glas auch vom Hintergrund freigestellt werden. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass der durchscheinende Hintergrund des Glases später nach einer Bildbearbeitung farblich angepasst wird.

Wem diese Bildbearbeitung Schwierigkeiten bereitet, kann sich durchaus auch an einen Freistellservice, wie zum Beispiel freistellen.de wenden.
Die Feineinstellung der Spiegel kostet am Set die meiste Zeit. Wir prüfen jede Verschiebung im angebundenen Livebild, bis der Lichtstreifen genau in der Kante sitzt, und fotografieren erst danach die Serie. Bei einem Gläsersatz legen wir vorher die Position von Glas, Spiegeln und Kamera fest, damit das zweite und dritte Glas denselben Streifen zeigen. Wie weit ein Freisteller bei durchsichtiger Ware gehen kann, behandelt der Ratgeber Produktfotos freistellen oder reinweiß.
Schritt 1: Spiegelstreifen vorbereiten
Am einfachsten ist es, sich Spiegelfolie zu besorgen und diese auf schmale Pappstreifen zu kleben. Spiegelfolie oder Spiegelpappe gibt es schon preisgünstig im Fachhandel oder in den Bastelgeschäften.
Schritt 2: Minispiegel neben das Glas stellen
Mit einem kleinen Aufsteller werden diese Minispiegel rechts und links neben das Glas gestellt.
Schritt 3: Seitliche Strahler ausrichten
Die Spiegel werden von seitlichen Strahlern beleuchtet und leiten dieses Licht an die Glasoberfläche weiter. Dabei müssen die Spiegel so verstellt werden, dass das Licht sich genau in den seitlichen Glaskanten wiederspiegelt. Verständlicherweise nimmt die Feineinstellung die meiste Zeit ein. Das beste Ergebnis gelingt nur durch ständiges Versuchen.
| Aufbau | Lichtquelle | Wirkung am Glas |
|---|---|---|
| Reflexionslicht | Glas auf der Hohlkehle, von oben angestrahlt, Hintergrund grau | Konturen sichtbar, helle Reflexion am Fuß (Lupeneffekt), Glaskörper eintönig |
| Gesteuertes Reflexlicht | Flächenlicht mit gleichmäßig ausgeleuchteter Plexiglasplatte links oder rechts; notfalls Seitenstrahler mit Transparentpapier | Helle Reflexion auf einer Außenseite und der gegenüberliegenden Innenseite |
| Lichtkanten | Minispiegel aus Spiegelfolie rechts und links, von seitlichen Strahlern beleuchtet | Ränder des Glases als heller Lichtstreifen |
Kurz gefasst
Glas ist durchsichtig und reflektiert Licht nicht immer wie gewünscht; die Lösung ist eine Lichtführung in drei Stufen. Auf der Hohlkehle von oben angestrahlt zeigt das Glas Konturen und den Lupeneffekt am Fuß. Ein Flächenlicht mit Plexiglasplatte erzeugt das gesteuerte Reflexlicht auf Außen- und Innenseite. Minispiegel aus Spiegelfolie mit seitlichen Strahlern bringen die Lichtkanten; die Technik funktioniert auch mit gefüllten Gläsern, und das Glas lässt sich anschließend freistellen.
Häufige Fragen
Fragen und Antworten
Antworten auf die Fragen, die Händler und Hersteller uns am häufigsten stellen.
Warum ist Glas in der Produktfotografie schwer zu fotografieren?
Weil Gläser durchsichtig sind und Licht nicht immer wie gewünscht reflektieren; das stellt eine besondere Herausforderung an den Fotografen. Ohne gezielte Lichtführung ist ein Glas gerade noch als solches zu erkennen: Konturen und der Lupeneffekt am Fuß sind sichtbar, der obere Glaskörper wirkt eintönig. Erst gesteuertes Reflexlicht und Lichtkanten geben ihm Form.
Wie entsteht das Reflexionslicht bei einem leeren Weinglas?
Das Glas wird auf eine Hohlkehle gestellt und von oben angestrahlt, der Hintergrund bleibt zunächst grau. Im Ergebnis zeigt sich das Glas mit seinen Konturen, und im Bereich des verstärkten Fußes wird eine helle Reflexion erkennbar, der sogenannte Lupeneffekt. Der obere Glaskörper bleibt dabei wenig spektakulär, weshalb weitere Lichtquellen nötig sind.
Was ist ein gesteuertes Reflexlicht?
Eine helle Reflexion auf der Glasoberfläche, die mit einem zusätzlichen Flächenlicht und einer gleichmäßig ausgeleuchteten Plexiglasplatte erzeugt wird. Die Platte steht links oder rechts in unmittelbarer Nähe des Glases; die Reflexion erscheint auf einer Außenseite und der gegenüberliegenden Innenseite. Notfalls reicht ein kleiner Seitenstrahler mit einer Lage Transparentpapier davor, möglichst nah am Glas.
Wie bekomme ich helle Lichtkanten an einem Glas?
Mit Minispiegeln: Spiegelfolie oder Spiegelpappe wird auf schmale Pappstreifen geklebt und mit kleinen Aufstellern rechts und links neben das Glas gestellt. Seitliche Strahler beleuchten die Spiegel, die das Licht an die Glasoberfläche weiterleiten; die Spiegel werden so verstellt, dass sich das Licht genau in den seitlichen Glaskanten spiegelt. Die Feineinstellung nimmt die meiste Zeit ein.
Funktioniert die Beleuchtungstechnik auch bei gefüllten Gläsern?
Ja, die beschriebenen Techniken mit Reflexionslicht, gesteuertem Reflexlicht und Lichtkanten funktionieren auch mit gefüllten Gläsern. Damit lassen sich sowohl Gläserserien für den Verkauf, die leer bleiben sollen, als auch gefüllte Motive wie Weingläser oder Cocktails für Werbebilder fotografieren. Der Aufbau bleibt derselbe, nur das Motiv ändert sich.
Kann ich ein fotografiertes Glas freistellen?
Ja, dank der guten Lichtkanten lässt sich ein so beleuchtetes Glas vom Hintergrund freistellen. Wichtig ist, dass der durchscheinende Hintergrund des Glases nach der Bildbearbeitung farblich angepasst wird. Wem diese Bildbearbeitung Schwierigkeiten bereitet, kann sich laut Beitrag an einen Freistellservice wenden, der die Arbeit übernimmt.
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