Schmuckfotografie

Schmuckfotografie: Fotos mit Tiefenschärfe

Von Kevin, FotografVeröffentlicht Aktualisiert 4 Min. Lesezeit

Die Tiefenschärfe entscheidet bei Schmuck darüber, ob ein Stück von der Fassung bis zum Verschluss scharf ist oder nur an einer Stelle. Gesteuert wird sie über Blende und Brennweite, dazu kommt die Größe des Bildsensors. Bei einem einzelnen Ring reicht dafür meist eine offene Blende; sobald mehrere Ebenen zugleich scharf sein sollen, setzen wir die Aufnahme aus mehreren Schärfeebenen zusammen.

Was die Tiefenschärfe bestimmt: Blende, Brennweite, Sensor

Unter der Tiefenschärfe bzw. Schärfentiefe wird beim Fotografieren der Bereich bezeichnet, der vor bzw. hinter dem eigentlichen Schärfebereich noch scharf dargestellt wird. Wird zum Beispiel die Kamera auf ein Motiv scharf eingestellt, kann abhängig von der Blenden- und Brennweiteneinstellung der Bereich vor dem Motiv oder hinter dem Motiv über eine bestimmte Strecke hin noch scharf dargestellt werden.

Grundsätzlich ist hierbei zu beachten, dass bei einer kleinen Brennweite die Tiefenschärfe umso höher ist. Übliche Brennweiten sind zum Beispiel f8, f11, f16 oder f22. Darüber hinaus ist die Tiefenschärfe aber auch abhängig von der Größe des eingebauten Bildsensors einer Digitalkamera. Mit einem besonders großen Sensor, wie zum Beispiel einem Vollformatsensor, lassen sich wesentlich mehr Gestaltungsmittel im Bereich der Tiefenschärfe einsetzen. Normale Consumer-Kameras kommen immerhin noch auf eine 2/3-Größe des Bildsensors im Vergleich zum Vollformat.

Die richtige Kamera verwenden

Geeignet für gute Tiefenschärfeaufnahmen sind digitale Spiegelreflexkameras oder spiegellose Systemkameras. Wichtig ist, dass diese Kameras über eine sogenannte Abblendtaste verfügen. Nur so lässt sich die Tiefenschärfe des Motivs direkt erkennen. Ohne Abblendtaste wäre das Motiv bei Blende f22 so dunkel dargestellt, dass es nicht zu erkennen wäre.

Spiegelreflex- oder Systemkameras mit Abblendtaste zeigen die Tiefenschärfe direkt im Sucher; ein großer Bildsensor erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten.

Silberne Ohrhänger mit eckigem Bügel und ovalem, steinbesetztem Glied, Schmuckfoto vor Weiß

Schmuckfotografie im Studio beauftragen

Schmuck perfekt fotografieren

Schmuck und Glas gehören zu den am schwierigsten zu fotografierenden Gegenständen. Zum einen sind Schmuckstücke meist sehr klein und zum anderen können diese mit ihren glänzenden Oberflächen stark reflektieren. Für gute Fotos sollte ein Lichtzelt mit gleichmäßiger Ausleuchtung und für die Kamera ein Stativ mit Fernauslösung verwendet werden. Bei der Beleuchtung werden zusätzliche Diffusoren empfohlen, damit das Licht gleichmäßiger gestreut wird. Der Hintergrund sollte sich besonders gut vom Schmuckstück abheben.

Schwarze Klappcreolen als Paar, freigestellt vor reinem Weiß

An der Kamera sorgt ein niedriger ISO-Wert für ein geringeres Rauschen. Die sich hierdurch ergebenden längeren Belichtungszeiten sorgen mit dem Stativ für keine Probleme.

Mit der Blende wird nun die Tiefenschärfe eingestellt. Wichtig ist es zu wissen, welcher Bereich auf dem Foto später scharf wiedergegeben werden soll. Etwas verwirrend ist die richtige Einstellung der Blendenöffnung. Je größer die Blendenöffnung bzw. je kleiner die Blendenzahl auf dem Objektiv der Kamera eingestellt wird, desto geringer fällt die Tiefenschärfe aus.

Da Schmuckstücke klein sind, spielen der Vorder- und Hintergrund hier keine Rolle. Mit der Blende f2.8 ist sicher eine ausreichende Tiefenschärfe gegeben, bei der nur das Schmuckstück komplett scharf abgelichtet wird. Alle übrigen Randbereiche verfallen in Unschärfe.

Testweise sollten auch höhere Blendenzahlen zwischen f4 bis f8 einmal verwendet werden. Somit wird der Unterschied in Bezug auf die Tiefenschärfe am besten deutlich. Für die Bearbeitung der Produktfotos kann man sich Hilfe von Bildbearbeitungsdienstleistern holen, wie beispielsweise freistellen.de .

Bei kleinen Schmuckstücken genügt eine offene Blende, damit nur das Schmuckstück scharf bleibt; höhere Blendenzahlen zeigen im Vergleich, wie sich die Tiefenschärfe verändert.

Foto: fotolia/shutterstock

BlendeTiefenschärfeWirkung beim Schmuckstück
f2.8 (große Öffnung, kleine Blendenzahl)geringNur das Schmuckstück ist komplett scharf; die Randbereiche verfallen in Unschärfe
f4 bis f8mittelTestweise verwenden, um den Unterschied in der Tiefenschärfe sichtbar zu machen
f11 bis f22 (kleine Öffnung)hochBereich vor und hinter dem Motiv bleibt scharf; ohne Abblendtaste ist das Motiv im Sucher zu dunkel, um es zu erkennen
Je größer die Blendenöffnung bzw. je kleiner die Blendenzahl, desto geringer die Tiefenschärfe.

Wie wir Schmuck im Studio aufnehmen

Wir legen bei Ketten den Verschluss nach hinten, sonst zieht er im Bild die Aufmerksamkeit auf sich und der Anhänger verliert. Ringe kippen wir leicht nach vorn, damit die Fassung genauso scharf wird wie der Stein. Ohrhänger hängen an einem klaren Faden, denn liegend verlieren sie die Form, die sie am Ohr hätten.

Armband aus rotbraunen Holzperlen mit goldenem Symbol-Anhänger, freigestellt vor Weiß

Die Hauptarbeit bei Schmuck ist nicht die Blende, sondern die Sauberkeit. Wir arbeiten mit Handschuhen und blasen vor jeder Aufnahme Staub ab, weil jedes Korn auf einer polierten Fläche in der Zoomansicht des Marktplatzes zu sehen ist. Was am Set liegen bleibt, kostet hinterher Retusche, und Retusche an einer Fassung fällt auf.

Gliederarmband aus hellem Metall für eine Uhr mit Faltschließe, schräg liegend vor Weiß

Reicht eine offene Blende nicht, weil Fassung, Stein und Gravur zusammen scharf sein sollen, nehmen wir mehrere Schärfeebenen auf und setzen sie zusammen; das Verfahren beschreibt der Beitrag Focus Stacking für durchgehende Schärfe. Die Handgriffe je Warengruppe stehen im Ratgeber Ketten, Ringe und Ohrringe fotografieren.

Was uns am häufigsten aufhält, ist nicht die Technik, sondern die Zuordnung: Zwei Ringe sehen gleich aus, tragen verschiedene Artikelnummern, und im Polsterbeutel liegt kein Zettel. Wir fragen dann nach, statt zu raten. Was ein Bild kostet, steht unter Preise pro Bild; welche Ansichten ein Schmuckstück braucht und wie die Aufnahme abläuft, beschreibt die Leistungsseite Schmuckfotografie im Studio.

Kurz gefasst

Tiefenschärfe ist der Bereich vor und hinter dem Schärfepunkt, der noch scharf abgebildet wird; Blende, Brennweite und Sensorgröße bestimmen ihn. Spiegelreflex- oder Systemkameras mit Abblendtaste zeigen die Tiefenschärfe direkt im Sucher. Schmuck ist klein und spiegelt stark: Lichtzelt, Diffusoren, Stativ mit Fernauslösung, kontrastreicher Hintergrund und niedriger ISO-Wert sind die Grundausstattung. Mit einer offenen Blende wie f2.8 bleibt nur das Schmuckstück scharf; Blendenzahlen zwischen f4 und f8 machen den Unterschied im Vergleich sichtbar.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Antworten auf die Fragen, die Händler und Hersteller uns am häufigsten stellen.

  • Was bedeutet Tiefenschärfe in der Schmuckfotografie?

    Tiefenschärfe oder Schärfentiefe ist der Bereich vor und hinter dem Schärfepunkt, der noch scharf abgebildet wird. Wie groß er ausfällt, hängt von Blende und Brennweite ab und zusätzlich von der Größe des Bildsensors: Ein Vollformatsensor bietet deutlich mehr Gestaltungsmittel als der kleinere Sensor üblicher Consumer-Kameras. Beim Schmuck entscheidet die Tiefenschärfe, ob das ganze Stück scharf ist.

  • Welche Blende eignet sich für Schmuckfotos?

    Für ein einzelnes Schmuckstück reicht meist eine offene Blende wie f2.8: Das Schmuckstück wird komplett scharf abgelichtet, Vorder- und Hintergrund spielen wegen der geringen Größe keine Rolle, die Randbereiche verfallen in Unschärfe. Testen Sie zusätzlich Blendenzahlen zwischen f4 und f8, um den Unterschied in der Tiefenschärfe zu sehen. Je kleiner die Blendenzahl, desto geringer fällt die Tiefenschärfe aus.

  • Welche Kamera brauche ich für Schmuckfotos mit Tiefenschärfe?

    Eine digitale Spiegelreflexkamera oder eine spiegellose Systemkamera mit Abblendtaste. Nur mit der Abblendtaste lässt sich die Tiefenschärfe des Motivs direkt erkennen; ohne sie wäre das Motiv bei Blende f22 so dunkel dargestellt, dass es nicht zu erkennen wäre. Ein großer Bildsensor, etwa Vollformat, erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Tiefenschärfe zusätzlich.

  • Warum ist Schmuck so schwer zu fotografieren?

    Schmuckstücke sind meist klein und reflektieren mit ihren glänzenden Oberflächen stark; zusammen mit Glas gehören sie zu den am schwierigsten zu fotografierenden Gegenständen. Ein Lichtzelt mit gleichmäßiger Ausleuchtung, zusätzliche Diffusoren für gestreutes Licht und ein Hintergrund, der sich gut vom Schmuckstück abhebt, bringen die Reflexe unter Kontrolle und heben das Stück hervor.

  • Welche Ausrüstung brauche ich für Schmuckfotos?

    Ein Lichtzelt mit gleichmäßiger Ausleuchtung, Diffusoren, damit das Licht gleichmäßiger gestreut wird, ein Stativ mit Fernauslösung und einen Hintergrund, der sich besonders gut vom Schmuckstück abhebt. An der Kamera sorgt ein niedriger ISO-Wert für geringeres Rauschen; die dadurch längeren Belichtungszeiten sind mit dem Stativ kein Problem. Die Blende steuert anschließend die Tiefenschärfe.

  • Welcher ISO-Wert ist für Schmuckfotos richtig?

    Ein niedriger ISO-Wert, weil er das Rauschen gering hält. Die dadurch längeren Belichtungszeiten sorgen mit dem Stativ für keine Probleme; die Fernauslösung verhindert zusätzlich, dass die Kamera beim Auslösen berührt wird. Welcher Bereich des Fotos später scharf wiedergegeben wird, stellen Sie anschließend über die Blende ein, nicht über den ISO-Wert.

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