Produktfotografie

360°-Ansicht oder 3D-Modell: Was Händler ab 2027 wirklich brauchen

Von Max, Leitung KundenbetreuungVeröffentlicht Aktualisiert 7 Min. Lesezeit

Für Shop und Marktplatz reicht in fast allen Fällen die 360°-Ansicht aus echten Fotos vom Drehteller. Ein 3D-Modell brauchen Sie erst, wenn Kunden den Artikel in AR im Raum aufstellen, Varianten konfigurieren oder ein Kanal nur noch Modelle statt Bildfolgen annimmt. 3D-Modelle sind bei uns in Planung; die 360°-Animation vom Drehteller bieten wir an.

Drei Verfahren, drei Definitionen

Die 360°-Ansicht (auch 360°-Spin) ist eine Folge echter Fotos vom Drehteller, die sich im Browser um eine Achse dreht. Ein 3D-Modell ist ein berechnetes Objekt aus Geometrie und Textur, das sich frei drehen, zoomen und in Räume setzen lässt. Fotogrammetrie ist das Verfahren, das aus vielen Aufnahmen rund um den Artikel ein solches Modell berechnet; die Alternative sind CAD-Daten des Herstellers. Ein 3D-Packshot ist schließlich ein aus dem Modell gerendertes Einzelbild.

Boxspringbett mit hellgrauem Polster und Eichenrahmen in der Frontansicht, 3D-Rendering vor Weiß
3D-Rendering, keine Aufnahme: ein aus dem Modell berechnetes Einzelbild.

Die Begriffe werden im Handel gemischt: Wer nach Produktfotografie 3D sucht, meint oft die drehbare Ansicht, wer 3D-Produktbilder erstellen lassen will, manchmal nur ein plastisch wirkendes Foto. Die Entscheidung wird einfacher, wenn Sie vom Kanal her denken: Was soll das Bild wo tun?

3D-Produktbilder und 360°-Spin im Vergleich: Aufwand, Kanäle, Echtheit

Die Fotofolge bleibt das Verfahren mit dem geringsten Aufwand und dem höchsten Echtheitswert. Das Modell lohnt sich, sobald ein Kanal es verlangt oder Varianten gerechnet werden sollen. Wie die Drehteller-Aufnahme entsteht, beschreibt der Ratgeber 360 Grad Fotografie. Die 360-Grad-Produktfotografie aus dem Studio liefert die Fotofolge; wie weit wir bei Modellen sind, zeigt die Seite 3D-Produktbilder in Planung.

Boxspringbett mit Eichenrahmen und hellem Polster schräg von vorn, 3D-Rendering vor Weiß
Beispiel eines 3D-Renderings, kein Studiofoto: So wirkt eine Ansicht, die aus einem 3D-Modell berechnet ist.

Wenn uns jemand nach 3D fragt, meint er meistens die drehbare Ansicht im Shop. Wir klären deshalb zuerst, in welchem System das Bild später liegt: Hat das Shopsystem einen Viewer, ist die Fotofolge fertig; soll der Artikel in AR im Raum stehen, braucht es ein Modell, und das bieten wir noch nicht an. Die Zahl der Positionen legen wir am ersten Artikel fest und behalten sie für die ganze Serie. Sonst dreht sich ein Artikel im Shop feiner als der nächste, und das fällt beim Durchklicken auf.

Zwei Carbon-Laufräder für ein Rennrad nebeneinander, Packshot vor Weiß

360°-Animation anfragen

Kriterium360°-Spin (Fotofolge)3D-Modell aus Fotogrammetrie3D-Modell aus CAD-Daten
ErstellungArtikel auf dem Drehteller, Kamera fest, 24, 36 oder 72 Einzelbilder im gleichen LichtViele Aufnahmen rund um den Artikel, Berechnung von Geometrie und Textur, Nacharbeit am ModellKonstruktionsdaten des Herstellers, Materialien und Texturen werden am fotografierten Original abgeglichen
EinsatzDrehbare Ansicht im Shop, Zoom auf echte Oberflächen, Video für MarktplätzeAR-Ansicht im Raum, Konfiguratoren, Anproben, Renderings von VariantenWie Fotogrammetrie; zusätzlich Explosionsdarstellungen und technische Ansichten
KanäleShopsysteme mit Viewer, Video-Slots der Marktplätze; Amazon nimmt seit dem 14.12.2023 keine 360°-Bilder mehr an und hat die Anzeige am 20.01.2025 abgeschaltetAmazon (Markeninhaber, ausgewählte Kategorien), Shopify (GLB und USDZ), Google Shopping nur in wenigen Ländern und KategorienDieselben Kanäle; Voraussetzung sind brauchbare CAD-Daten
AktualisierbarkeitNeue Variante heißt neue Drehteller-Folge; bei archivierten Rohdaten schnell reproduzierbarFarb- und Materialvarianten aus dem Modell rechenbar, Formänderung heißt neue AufnahmeFormänderungen aus den Daten, Materialien müssen neu abgeglichen werden
Echtheit und NachweisEchte Fotos; bei uns trägt jedes Einzelbild IPTC-Metadaten und den C2PA-NachweisBerechnete Oberfläche; Renderings werden als Rendering gekennzeichnetBerechnete Oberfläche; Renderings werden als Rendering gekennzeichnet
Grenzen nach MaterialFast alle Artikel, Schmuck mit Fokus-Stacking je PositionGlas, poliertes Metall, dünne Textilien brauchen Vorbereitung oder eignen sich nichtWeiche Ware und Textilien wirken ohne Fotoabgleich künstlich
Quellen: Amazon Seller Central, Ankündigungen zu 3D-Modellen vom 14.12.2023 und zur Einstellung der 360°-Anzeige zum 20.01.2025 sowie Programmseite 3D/AR, Abruf 20.09.2026. Google Merchant Center-Hilfe „3D-Modell-Link“, Abruf 20.09.2026. Shopify-Hilfe „Produktmedien“, Abruf 20.09.2026. Einschätzung der Redaktion.

Was die Kanäle heute anzeigen

Amazon nimmt laut Ankündigung in der Seller Central seit dem 14. Dezember 2023 keine Anfragen zum Upload von 360°-Bildern mehr an und hat die 360°-Anzeige auf den Produktseiten laut einer weiteren Ankündigung zum 20. Januar 2025 abgeschaltet. Eingetragene Markeninhaber in Deutschland und weiteren Ländern laden stattdessen 3D-Modelle hoch, die als drehbare Ansicht und in AR im Raum gezeigt werden. Die Programmseite nennt Schuhe, Brillen, Möbel, Spielzeug und Elektronik als geeignete Kategorien und GLB als bevorzugtes Format (Abruf 20.09.2026).

Weiße Frontlader-Waschmaschine mit Display und Bullauge, freigestellt vor dunkelblauem Grund
  • Google Shopping kennt das Attribut 3D-Modell-Link für glTF- und GLB-Dateien bis 15 MB, laut deutscher Hilfe aber nur für Schuhe und Haushaltswaren und nur für Angebote in den USA (Abruf 20.09.2026).
  • Shopify zeigt GLB- und USDZ-Modelle bis 500 MB auf der Produktseite, wenn das Theme Medien unterstützt (Abruf 20.09.2026).
  • eBay nennt in der Hilfe zu Angebotsbildern keine 3D-Modelle; für Otto und Kaufland gilt: je nach Kategorie und Schnittstelle prüfen.

Für Händler im DACH-Markt heißt das: Das 3D-Modell ist heute ein Werkzeug für den eigenen Shop, für Konfiguratoren und für Amazon-Markeninhaber in passenden Kategorien. Überall sonst trägt die Fotofolge oder ein kurzes Drehvideo.

Warum 2027 ein Datum ist: der digitale Produktpass

Ab dem 18. Februar 2027 brauchen Batterien für leichte Verkehrsmittel, Industriebatterien über 2 kWh und Fahrzeugbatterien nach Art. 77 der Verordnung (EU) 2023/1542 einen Batteriepass. Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 ist seit dem 18. Juli 2024 in Kraft und führt den digitalen Produktpass für weitere Produktgruppen über delegierte Rechtsakte ein. Nach dem Arbeitsplan der Kommission vom April 2025 stehen Eisen und Stahl, Textilien, Reifen, Aluminium und Möbel vorn. Erste Rechtsakte folgen ab 2026 und 2027, jeweils mit eigener Übergangsfrist.

Ein 3D-Modell schreibt keine dieser Regeln vor; der Pass verlangt Daten, keine Ansicht. Trotzdem lohnt es sich, ab 2027 die Bildproduktion mit der Datenproduktion zusammenzudenken. Jeder Artikel braucht ohnehin einen belegbaren Bildsatz mit Typenschild und Kennzeichnungen. Wer dabei gleich eine Rundumfolge oder ein Modell mitnimmt, hat die Referenz für Pass, Konfigurator und Marktplatz aus einer Session. Was zum belegbaren Bildsatz gehört, steht auf der Seite Datenpaket zum Bildsatz.

Blauer Akkuschrauber mit eingesetztem Bit und Akku im Griff, freigestellt vor Weiß

Ablauf: von der Drehteller-Aufnahme zum 3D-Modell

Anfrage und Drehteller-Folge gehören heute zu unserem Angebot. Die Schritte für das Modell beschreiben das übliche Verfahren; bei uns ist es in Planung.

  1. Schritt 1: Anfrage mit Zielkanal

    Sie nennen Artikelart, Stückzahl und Zielsystem: Shop-Viewer, Marktplatz, Konfigurator oder AR. Daraus folgt, ob eine Fotofolge reicht oder ein Modell nötig ist.

  2. Schritt 2: Testartikel

    Ein Artikel läuft zuerst durch. Sie prüfen Drehung, Ausschnitt und Licht im Browser, bevor die Serie startet.

  3. Schritt 3: Drehteller-Folge

    Der Artikel steht auf dem motorisierten Drehteller, die Kamera bleibt fest; je nach Detailgrad entstehen 24, 36 oder 72 Einzelbilder, freigestellt und nummeriert.

  4. Schritt 4: Rundum-Aufnahmen für das Modell

    Für die Fotogrammetrie kommen Aufnahmen aus vielen Höhen und Winkeln hinzu, mit gleichmäßigem Licht und Maßreferenz. Spiegelnde Flächen werden vorbereitet oder das Verfahren wird angepasst.

  5. Schritt 5: Berechnung und Abgleich

    Geometrie und Textur werden berechnet, bereinigt und am fotografierten Original abgeglichen; Varianten in Farbe oder Material entstehen aus dem Modell.

  6. Schritt 6: Export und Datenpaket

    Zum Modell gehören GLB- und USDZ-Dateien und als Rendering gekennzeichnete Einzelbilder. Von uns erhalten Sie heute die Bildfolge für den Viewer, mit Dateinamen, Zuordnungsliste, IPTC-Metadaten und C2PA-Nachweis in jedem Bild.

Wo Fotogrammetrie an die Grenze kommt

  • Glas, poliertes Metall und transparente Verpackungen lassen sich als 360°-Folge gut zeigen, für Fotogrammetrie brauchen sie Mattierung oder eigene Verfahren.
  • Dünne Textilien, Fransen und lose Kordeln ergeben im Modell Löcher oder Klumpen; hier bleibt die Fotofolge die bessere Wahl.
  • Jeder Kanal hat eigene Größen- und Texturgrenzen; ein Modell für den Shop passt nicht automatisch in den Marktplatz.
  • Ein gerendertes Bild ist keine Aufnahme: Für Hauptbilder und Belegzwecke bleibt das echte Foto gesetzt.
  • Formänderungen am Artikel bedeuten neue Aufnahmen, nur Farb- und Materialvarianten lassen sich aus dem Modell rechnen.
Windlicht mit goldener Schlange und Glaszylinder, freigestellt auf transparentem Grund mit durchscheinendem Glas
Glas wie hier lässt sich als Fotofolge gut zeigen; für Fotogrammetrie braucht es Vorbereitung.

Am Drehteller entscheidet sich vieles vor der ersten Aufnahme. Wir sehen regelmäßig Ware, die nicht von allein steht: Sie kippt spätestens bei der halben Drehung, und jede Stütze steht anschließend in jedem Einzelbild. Wir kleben deshalb von unten ab, wo es geht, und richten Teile, die nach hinten fallen, mit Gegengewicht aus. Was sich nicht verstecken lässt, muss in jeder Position freigestellt werden. An diesem Punkt wird eine Rundumfolge aufwendiger als gedacht. Wie Ware am besten vorbereitet ankommt, steht im Beitrag Produkte für das Fotoshooting vorbereiten.

Braunglasflasche mit Zahnfleischtropfen vor ihrer Faltschachtel, Packshot vor Weiß

Entscheidung nach Kanal und Einsatz

  • Shop mit Zoom und Drehansicht: 360°-Folge aus echten Fotos, im gleichen Licht wie das Hauptbild.
  • Amazon-Listing als Markeninhaber in Möbel, Schuhe, Brillen oder Elektronik: 3D-Modell als GLB, dazu die Standardbilder.
  • Viele Farb- oder Materialvarianten: ein fotografiertes Muster, Varianten als gekennzeichnete Renderings aus dem Modell.
  • AR-Ansicht im Raum oder Konfigurator im eigenen Shop: 3D-Modell als GLB und USDZ.
  • Schmuck und Uhren: 360°-Folge mit Fokus-Stacking je Position, Modell nur bei matten Materialien.
  • Produktpass ab 2027: belegbarer Bildsatz mit Datenpaket, Modell optional als Referenz.
Boxspringbett mit Kopfteil aus Eichenholz in der Seitenansicht, 3D-Rendering vor Weiß mit weichem Schatten
3D-Rendering, keine Aufnahme.

Die Rundumfolge steht als eigene Position im Angebot und wird wie alle Aufnahmen zum Preis pro Bild abgerechnet; wie viele Einzelbilder sie braucht, hängt vom Artikel ab.

Nennen Sie uns Artikel und Zielkanal: Wir sagen Ihnen, ob die 360°-Animation reicht, und nehmen Ihren Bedarf an 3D-Modellen in unsere Planung auf.

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Kurz gefasst

Die 360°-Ansicht aus echten Fotos deckt Shop, Zoom und Drehvideo ab und bleibt das Verfahren mit dem geringsten Aufwand. Ein 3D-Modell brauchen Sie für AR, Konfiguratoren, gerechnete Varianten und für Amazon-Listings als Markeninhaber in passenden Kategorien. Amazon nimmt seit dem 14.12.2023 keine 360°-Bilder mehr an und zeigt sie seit dem 20.01.2025 nicht mehr; Google Shopping zeigt 3D-Modelle nur in wenigen Ländern und Kategorien (Abruf 20.09.2026). Der Batteriepass ab 18.02.2027 und die Produktpässe nach der Ökodesign-Verordnung verlangen Daten, kein 3D-Modell. 3W FOTO bietet die 360°-Animation vom Drehteller an; 3D-Modelle sind in Planung.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Antworten auf die Fragen, die Händler und Hersteller uns am häufigsten stellen.

  • Was sind 3D-Produktbilder?

    3D-Produktbilder sind entweder drehbare Ansichten aus einer Fotofolge oder Darstellungen eines berechneten 3D-Modells, das sich frei bewegen und in Räume setzen lässt. Im Handel werden beide Begriffe gemischt. Die Fotofolge zeigt echte Oberflächen, das Modell erlaubt AR, Konfiguratoren und gerechnete Varianten; welche Form Sie brauchen, entscheidet der Kanal.

  • Kann ich 3D-Produktbilder erstellen lassen, ohne CAD-Daten zu haben?

    Ja. Ohne Konstruktionsdaten entsteht das Modell per Fotogrammetrie aus vielen Aufnahmen rund um den Artikel. Das funktioniert bei matten, formstabilen Produkten gut; Glas, Chrom und dünne Textilien brauchen Vorbereitung oder eignen sich nicht. Für die reine Drehansicht reicht die Drehteller-Folge ohne Modell; sie gehört zu unserem Angebot, 3D-Modelle sind bei uns in Planung.

  • Was kostet ein 3D-Packshot oder ein 3D-Modell?

    Am Markt hängt der Preis von Artikelgröße, Oberfläche, Zahl der Varianten und Zielkanal ab, nicht von einem Stundensatz. 3D-Modelle bieten wir noch nicht an und nennen dafür keinen Preis. Die Drehteller-Folge ist bei uns eine eigene Position im Angebot und wird pro Bild abgerechnet. Für ein Angebot genügen Artikelart, Stückzahl und Kanal.

  • Zeigt Amazon 360-Grad-Bilder noch an?

    Nein. Nach den Ankündigungen in der Seller Central nimmt Amazon seit dem 14. Dezember 2023 keine Anfragen zum Upload von 360°-Bildern mehr an und hat die 360°-Anzeige auf den Produktseiten zum 20. Januar 2025 eingestellt. Eingetragene Markeninhaber laden in geeigneten Kategorien stattdessen 3D-Modelle hoch, die als drehbare Ansicht und in AR gezeigt werden (Abruf 20.09.2026).

  • Welches Dateiformat brauche ich für 3D auf der Produktseite?

    GLB ist das Format für Browser, Android und Amazon, USDZ öffnet die AR-Ansicht auf iPhone und iPad. Shopify nimmt beide Formate an, Google Shopping verlangt glTF oder GLB bis 15 MB. Für die Drehansicht ohne Modell genügen nummerierte JPG-Einzelbilder oder eine fertige Sequenz für den Viewer Ihres Shopsystems.

  • Ist ein 3D-Modell für den digitalen Produktpass Pflicht?

    Nach unserem Verständnis nein: Der Batteriepass ab dem 18. Februar 2027 und die Produktpässe nach der Ökodesign-Verordnung verlangen Daten zu Herkunft, Material und Reparatur, keine 3D-Ansicht. Ein Modell kann als Referenz des Artikels dienen. Pflicht bleibt der belegbare Bildsatz mit Typenschild und Kennzeichnungen.

  • Was ist der Unterschied zwischen Produktfotografie 3D und 360 Grad?

    360 Grad meint die Fotofolge vom Drehteller: echte Bilder, eine Drehachse, Zoom auf reale Oberflächen. Produktfotografie 3D meint meist ein berechnetes Modell, das sich frei drehen, in AR zeigen und in Varianten rechnen lässt. Die Folge ist schneller produziert und belegbar, das Modell kann mehr, ist aber keine Aufnahme.

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